Mit dem Urteil vom 16. Januar 2026 hat das Landgericht Heilbronn Tipico zur Rückzahlung erheblicher Verluste verpflichtet. Der Anbieter von Online-Sportwetten muss einem Spieler 89.345 Euro erstatten, da das gesetzlich vorgeschriebene monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro nicht eingehalten wurde (Az. 10 O 306/24). Dabei handelte es sich nicht um geringfügige Überschreitungen: Allein im Februar 2022 zahlte der Spieler rund 78.000 Euro auf sein Spielerkonto ein. Die Entscheidung stärkt die Rechtsposition von Spielern deutlich und macht klar: Verstöße gegen das 1.000-Euro-Limit können zu weitreichenden Rückzahlungsansprüchen führen.
Einzahlungslimit um bis zu 77.000 Euro überschritten
Der Kläger hatte über einen längeren Zeitraum hohe Beträge bei dem Online-Wettanbieter eingezahlt und dabei erhebliche Verluste erlitten. So überwies er im November 2021 34.500 Euro auf sein Tipico-Konto und verlor in diesem Monat nahezu den gesamten Betrag. Den Höchststand erreichten die Einzahlungen im Februar 2022 mit rund 77.000 Euro; hiervon gingen etwa 37.900 Euro im selben Monat verloren.
Zwar ist der konkrete Verlust für die rechtliche Bewrtung nicht ausschlaggebend, er verdeutlicht jedoch, in welchem Ausmaß der Anbieter von der Überschreitung des Einzahlungslimits profitierte – und wie zentral die Einhaltung dieser Schutzvorschrift für Spieler ist.
Landgericht Heilbronn: 1.000-Euro-Limit ist Spielerschutz
Nach Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrags im Jahr 2021 dürfen Spieler in Deutschland grundsätzlich nicht mehr als 1.000 Euro pro Monat für Online-Glücksspiele einzahlen. Das Landgericht Heilbronn stellte fest, dass keine wirksame rechtliche Grundlage bestand, die es Tipico erlaubt hätte, dem Kläger Einzahlungen in dieser Größenordnung zu gestatten.
Das Gericht qualifizierte die Regelung zum Einzahlungslimit als Schutzgesetz im Sinne des § 823 Abs. 2 BGB. Zweck der Norm sei nicht allein die staatliche Glücksspielaufsicht, sondern ausdrücklich der Vermögensschutz der Spieler.
Das Gericht hob hervor, dass das Einzahlungslimit insbesondere dazu dient,
- übermäßige finanzielle Verluste zu vermeiden,
- problematisches oder suchtartiges Spielverhalten einzudämmen,
- Spieler vor wirtschaftlicher Überforderung zu schützen.
Verstößt ein Anbieter gegen diese Verpflichtungen, kann dies Schadensersatz- und Rückzahlungsansprüche auslösen.
Relevanz des Urteils für Spieler in Deutschland
Die Entscheidung des Landgerichts Heilbronn dürfte für zahlreiche Betroffene richtungsweisend sein, die im Online-Glücksspiel hohe Verluste erlitten haben. Grundsätzlich gilt:
Wer trotz gesetzlicher Vorgaben mehr als 1.000 Euro pro Monat einzahlen durfte, kann unter Umständen Rückzahlung der Verluste verlangen, insbesondere für Zeiträume ab Juli 2021.
Ob ein Anspruch im Einzelfall besteht, hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab, etwa vom konkreten Einzahlungsverlauf und dem maßgeblichen Zeitraum. Eine individuelle rechtliche Prüfung ist daher unerlässlich.
In dieselbe Richtung haben bereits andere Gerichte entschieden, darunter die Landgerichte in München sowie das Oberlandesgericht Köln und das OLG Stuttgart. Diese Rechtsprechung unterstreicht die insgesamt spielerfreundliche Tendenz der aktuellen Entscheidungen.
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